Zwischen Süßem und Saurem geht völlig unter, welche Zeitenwende sich Ende Oktober vor etwas mehr als 500 Jahren für Deutschland ereignete.
Obwohl es noch kein Fernsehen und Radio gab, kannte im Jahr 1517 jedes Kind den Namen Martin Luther, nachdem er in Wittenberg seine 95 Thesen an die Schlosskirche geschlagen hatte. Er war ein wahrer A-Promi seiner Zeit. Auch heute noch widmet sich fast ein ganzes Schuljahr seinem Wirken im Geschichtsunterricht.
Als hätte Luther in weiser Voraussicht sein geschichtliches Erbe im Blick gehabt, residierte und wirkte er nur in Städten, die auch heute noch wunderschön sind und vor allem perfekt an den ÖPNV angebunden sind.
Neben Worms und Augsburg war er dabei nur in den alten Bundesländern unterwegs, hauptsächlich in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Viel Trivia zu seinem Treiben findest du übrigens unter www.luther-land.com.
Wenn du also die Orte aus deinem Geschichtsunterricht der Mittelstufe und den Osten Deutschlands mal erkunden möchtest, dann ist der Monat Oktober der perfekte Zeitpunkt. Hier gibt es direkt eine Empfehlung, wie du am cleversten reist:
Start in der Lutherstadt Wittenberg
Wir beginnen direkt mit dem ausschlaggebenden Zeitpunkt in Luthers Karriere. Hier machte er erstmals so richtig auf sich aufmerksam. Die Stadt an der Elbe gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe und hat sich auf Luthertourismus eingestellt.
Du kannst deine Stadterkundung entweder an der Bahnstation „Lutherstadt Wittenberg Altstadt“ beginnen und in 8 Minuten zur Schlosskirche laufen oder vom Hauptbahnhof aus direkt zum Lutherhaus. In jedem Fall bist du dann in der Innenstadt und kannst einen ganzen Tag zwischen den schönen Renaissancegebäuden verbringen.
Weiter geht es nach Lutherstadt Eisleben/Mansfeld
Am Rande des Südharzes begeben wir uns in Luthers Kindheit. Während Luther in Eisleben zur Welt kam und starb, lebte er mit seinen Eltern einen Großteil seiner Kindheit in Mansfeld. Hier kannst du sein Elternhaus besuchen. Es wurde umfassend saniert und durch einen modernen Museumsneubau erweitert. Dort sind Hunderte Funde der Sanierungsarbeiten ausgestellt. Luthers Geburtshaus kannst du am selben Tag in Eisleben besichtigen. Fünf Minuten Fußweg weiter kannst du auf dem Marktplatz auch ein Foto mit dem Reformator machen.
Mit dem Bus kommst du von einer Stadt in die andere.
Ein Stopp in Weimar darf natürlich nicht fehlen
Du wirst dort nicht nur auf den Spuren Luthers, sondern auch auf denen Melanchthons, Cranachs, Herders, Nietzsches, Bachs, Strauss’, Anna Amalias, Goethes, Schillers und Walter Gropius’ unterwegs sein. Die Stadt bietet genügend Möglichkeiten, einen wunderschönen, geschichtsdurchdrungenen Tag zu verbringen. Verlier dich aber bitte nicht zu sehr in Goethes Geschichte. Wenn du zum Schloss Belvedere und durch den Park an der Ilm spazierst, ist der Tag fast vorbei, ohne dass du auch nur an Luther gedacht hast.
Schon im 16. Jahrhundert versammelten sich Denker in Weimar. Auch Luther rastete auf seinen vielen Reisen öfters in der Stadt, denn dort fand er ein mächtigen Publikum zur Verbreitung seiner Ideen.
Zum Schluss noch etwas Märchenhaftes: Eisenach
Thüringen spart nicht mit Burgen. So auch in Eisenach. Die Wartburg bot Luther ein Refugium, nachdem er vom Papst exkommuniziert worden war. Von der Wartburg aus kannst du weiter nach Süden durch die Drachenschlucht wandern. Somit geht ein guter Tag zu ins Land. Reservier dir für den Abend unbedingt noch einen Platz in einem der vielen guten Restaurants der Stadt. Die Eisenacher Küche ist wirklich köstlich. Nach deiner Reise hast du dir das wirklich verdient.