“Mia san mia”, “Wer ko, der ko” oder Gerhard Polts legendäres Gedicht über die Relation von Zeit und Gemütlichkeit. Bayerns Weltmetropole polarisiert mit ihrem Fußballclub genauso wie mit der Unterscheidung zwischen einem echten Bayern und einem „Zugroasten“. Wer sich mit dem Deutschlandticket nach München aufmacht, wird eine weltoffene, idyllische und traditionsverbundene Stadt vorfinden. Wir zeigen euch die schönsten Ecken – perfekt für einen Tagesausflug, auch an heißen Tagen.
Am Hauptbahnhof angekommen, merkt man gleich mal die Dimension. Wirf einen Blick auf die Abfahrtstafel: Vom Regional- bis Fernverkehr läuft hier einiges zusammen. Wenige Gehminuten entfernt erreichst du mit dem Stachus sozusagen den Eingang zum Sightseeing der Innenstadt. Jetzt geht es Schlag auf Schlag: links die Frauenkirche mit den beiden berühmten Zwiebeltürmen, vor dir der Marienplatz mit dem Rathaus, wo einmal im Jahr die Bayern ihren Meistertitel feiern, und gleich rechts der Viktualienmarkt.
Hoffentlich bist du früh angereist und kannst dir deine Weißwurst noch vor zwölf Uhr genehmigen. Ein altes Sprichwort sagt, die Wurst darf das Mittagsläuten nicht hören. Das geht auf fehlende Kühlmöglichkeiten zurück, wurde aber trotzdem zum traditionellen Weißwurstfrühstück. Das bekommst du natürlich neben vielen anderen Spezialitäten auf dem Viktualienmarkt. Ob du dir jetzt schon ein Bier dazu gönnst oder nicht, ist deine Sache – immerhin bist du mit dem Zug gekommen, also Prost!
Vorbei an der Bayerischen Staatsoper und den teuersten Boutiquen geht es zum Hofgarten mit dem Dianatempel in der Mitte. Einmal quer durch den Garten und wir sind schon beim Haus der Kunst. Die Ausstellungen sind sehr zu empfehlen, wir lassen es heute aus und schauen lieber den Surfern auf der Eisbachwelle direkt daneben zu. Die Eisbachwelle ist so etwas wie die Mutter aller Flusswellen. Sie ist Kult, Touristenmagnet und eine urbane Revolution zugleich. Schwimmen im Eisbach ist grundsätzlich verboten, nur das Surfen wird als Ausnahme geduldet. Diese Legalisierung hat sich die Münchner Surfszene lange erkämpft. An der Welle vorbei geht es rein in den Englischen Garten. Er wird durch verzweigte Seitenarme des Eisbachs durchzogen. An schönen Tagen ist hier ein Auflauf an jungen Leuten, die das Badeverbot nicht so ernst nehmen und das Leben genießen. Neben dem allgemeinen Treiben gibt es hier noch mit dem Monopteros einen Ziertempel im griechischen Stil zu sehen.
Als Nächstes geht es zur Isar und ihr Richtung Süden entlang. Bei der Maximiliansbrücke überqueren wir sie mit herrlichem Weitblick auf den Bayerischen Landtag und das Maximilianeum. Auf der nächsten Isarinsel befindet sich das Deutsche Museum, ein spannendes Technikmuseum. Ab der Reichenbachbrücke ist Baden in der Isar erlaubt. Das wird auch sichtlich zelebriert. Mit einem Getränk in der Hand und knietief im kühlen Alpenwasser – so lässt es sich schon ganz gut aushalten. Auf den Schotterbänken liegen die Menschen dicht an dicht, und vom Urbayerischen bis zum Oxford-Englisch hört man hier alles und sieht vor allem gut gelaunte Menschen.
Über das Szeneviertel Glockenbach schlendern wir langsam Richtung Viktualienmarkt retour. Neben schönen Wohnhäusern und kleinen Geschäften war es speziell die homosexuelle Szene, die hier erst ihre Rechte erkämpfte und dann zum Anziehungspunkt wurde. Lässt man den gesellschaftspolitischen Teil weg, ist das ein klassischer Fall von Gentrifizierung, aber welcher Teil Münchens ist davon nicht betroffen? Als Tagesgäste mit dem Deutschlandticket müssen wir uns weder um die Mietkosten noch um Spritpreise kümmern. Unbeschwert geht es zum Bahnhof zurück. Für die Heimfahrt gibt es natürlich noch eine Breze.
Unser Resümee: München ist immer eine Reise wert. Dass man schlechtem Wetter in der Stadt perfekt entkommt, war uns klar. Dass München jedoch so erfrischend sein kann an heißen Sommertagen, hat uns überrascht. Die gute Laune der Stadt überträgt sich auf dich, und im Biergarten erträgt man so auch die schwülen Temperaturen. Irgendwie schafft es diese Stadt, ein Gefühl von einem bayerischen Dorf mitten in die Großstadt zu pflanzen. Damit einher geht die von Polt so hoch gepriesene Gemütlichkeit.