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Sommerhitze im ÖPNV: Meine 5 besten Tipps und Tricks

Geschrieben von Heidi Scheibner | 02.07.26 10:59

Gestern stand ich an einem Bahnsteig in der prallen Nachmittagssonne, irgendwo zwischen „Ich nehme heute entspannt die Tram.“ und „Ich bin ein paniertes Schnitzel auf zwei Beinen“.  Neben mir fächelte sich ein Mann mit einem Pizzakarton Luft zu, eine Frau hielt ihre Wasserflasche wie einen heiligen Gral fest, und ich fragte mich, warum ich eigentlich nie rechtzeitig auf die Idee komme, mich auf heiße Tage vorzubereiten.

Ich fahre  wirklich gern mit Bus und Bahn, doch gerade im Sommer wird aus „entspannt unterwegs“ bei 34 Grad schnell „öffentlicher Nahverkehr mit Sauna-Aufpreis“. Und weil ich in den letzten Sommern einiges gelernt habe — teilweise freiwillig, teilweise durch Schweiß — kommen hier meine fünf liebsten Lifehacks gegen Hitze im ÖPNV. 

1. Steig nicht dort ein, wo alle einsteigen

Das klingt erst mal unspektakulär, ist aber einer der besten Tricks überhaupt. Die meisten Menschen stellen sich am Bahnsteig genau dort hin, wo sie angekommen sind: bei der Treppe, am Aufzug, an der Rolltreppe oder direkt unter der Anzeige. Menschen sind in dieser Hinsicht ein bisschen wie Tauben mit Smartphone - alle sammeln sich an denselben Stellen.

Ich mache es inzwischen anders: Wenn ich Zeit habe, laufe ich am Bahnsteig ein Stück weiter nach vorne oder hinten. Gerade bei S-Bahnen, U-Bahnen und Regionalzügen sind die Wagen an den Enden oft deutlich leerer. Weniger Menschen bedeutet weniger Körperwärme, mehr Luft und weniger fremde Rucksäcke, die sich liebevoll in deine Rippen kuscheln.

2. Such dir bewusst die Schattenseite

Ich gebe zu: Früher habe ich mich im Zug einfach irgendwo hingesetzt. Hauptsache Platz. Heute bin ich wählerischer. Denn im Sommer ist nicht jeder Sitzplatz ein guter Sitzplatz. Ein Fensterplatz auf der Sonnenseite sieht vielleicht nett aus, fühlt sich aber nach wenigen Minuten an wie ein persönlicher Backofen mit Aussicht.

Wenn du regelmäßig dieselbe Strecke fährst, achte mal darauf, von welcher Seite die Sonne kommt. In der Straßenbahn, im Bus oder in der Regionalbahn kann das einen enormen Unterschied machen. Ich setze mich an heißen Tagen lieber auf die schattige Seite oder stelle mich notfalls so, dass ich nicht direkt in der Sonne brate.

Auch an Haltestellen lohnt sich dieser Mini-Check. Manchmal stehen alle direkt am Schild, obwohl zwei Meter weiter ein Baum, ein Gebäudevorsprung oder ein Wartehäuschen Schatten spendet. Ich weiß, das klingt banal, aber bei 35 Grad wird Schatten plötzlich zur Premium-Lounge.

3. Nimm nicht immer die schnellste Verbindung

Ich weiß, wir alle lieben die App-Verbindung mit „Ankunft 14:03 Uhr“ und fühlen uns direkt wie Logistikprofis. Aber bei Hitze ist die schnellste Verbindung nicht automatisch die beste. Manchmal ist eine Route mit fünf Minuten mehr Fahrzeit viel angenehmer, weil du weniger umsteigen musst, nicht ewig in der Sonne wartest oder eine weniger volle Linie erwischst.

Ich schaue im Sommer deshalb nicht nur darauf, welche Verbindung am schnellsten ist. Ich frage mich eher: Muss ich viel laufen? Ist der Umstieg knapp? Stehe ich zehn Minuten auf einem Bahnsteig mit Schatten? Gibt es vielleicht eine Alternative mit Regionalbahn statt überfüllter S-Bahn?

Gerade wenn du mit dem Deutschlandticket unterwegs bist, kannst du oft flexibel zwischen verschiedenen Nahverkehrsverbindungen wählen. Das heißt nicht, dass du eine halbe Weltreise planen musst. Doch manchmal ist die etwas entspanntere Strecke genau die bessere Entscheidung für deinen Kreislauf, deine Laune und alle Menschen, die dich nach der Fahrt noch erleben dürfen.

4. Friere deine Wasserflasche halb ein

Das ist einer dieser Tricks, bei denen ich mich gefragt habe: Warum habe ich das nicht schon vor Jahren gemacht? Am Abend vorher füllst du eine Trinkflasche ungefähr zur Hälfte mit Wasser und legst sie ins Gefrierfach. Am nächsten Morgen füllst du den Rest mit normalem Wasser auf. Ergebnis: Du hast unterwegs lange kaltes Wasser, ohne extra Kühlakku.

Wichtig ist nur: Die Flasche wirklich nicht komplett voll einfrieren. Wasser dehnt sich aus, und eine geplatzte Flasche im Rucksack ist ungefähr so praktisch wie ein Regenschirm aus Pappe. Außerdem solltest du eine stabile, dichte Flasche nehmen - besonders, wenn daneben dein Handy oder dein Buch liegt.

5. Nimm einen Fächer mit

Ich weiß, ein Fächer klingt erst mal nach Flamenco, doch im Sommer ist ein Fächer einfach genial. Kein Akku, kein Kabel, kein Lärm, kein Gewicht. Du klappst ihn auf und hast sofort deine persönliche Mini-Brise.

Ich habe lange gedacht, das sei übertrieben. Dann saß ich einmal in einer stehenden Bahn, irgendwo zwischen „leichter Verspätung“ und „wir bitten um Geduld“, und eine Person neben mir holte seelenruhig einen Fächer raus. Während wir anderen kollektiv dahinwelkten, sah sie aus wie jemand, der das Leben verstanden hat. Seitdem bin ich Team Fächer.

Du musst auch keinen riesigen Show-Fächer mit dir herumtragen. Ein kleiner faltbarer Fächer passt in fast jede Tasche. Alternativ geht natürlich auch ein stabiler Flyer oder ein dünnes Notizbuch, aber ein richtiger Fächer ist einfach eleganter. Und wenn du dabei ein bisschen dramatisch wirkst: geschenkt. Bei 36 Grad darf man Persönlichkeit zeigen.

Fazit

Am Ende geht es nicht darum, die Hitze komplett auszutricksen. Das wäre schön, aber leider kann selbst die beste App keine Wolke herbeibuchen. Es geht eher darum, dir die Fahrt so angenehm wie möglich zu machen. Ein anderer Einstieg am Bahnsteig, ein Platz auf der Schattenseite, eine entspanntere Verbindung, kaltes Wasser und ein Fächer können den Unterschied machen zwischen „Ich komme völlig erledigt an“ und „Okay, war heiß, aber ich lebe noch“.

Und wenn du dann endlich aussteigst, nicht komplett verschwitzt bist und vielleicht sogar noch Energie für ein Eis hast, dann hast du alles richtig gemacht. Ich sehe ein Eis nach einer Fahrt mit Bus oder Bahn im Sommer übrigens nicht als Belohnung, sondern als dringend nötige Maßnahme zur Temperaturregulierung an. Sehr wissenschaftlich. Sehr wichtig.