Vom Berg zum Meer: Ein Deutschlandticket Abenteuer quer durchs Land
Ich hatte neulich so einen Moment, irgendwo zwischen Fernweh und Langeweile, da kam mir dieser völlig absurde Gedanke: Was wäre eigentlich, wenn ich einfach mal ganz Deutschland durchquere? Also wirklich vom Süden bis hoch in den Norden. Nur ich und mein Deutschlandticket.
Und seitdem lässt mich diese Idee nicht mehr los.
Ich meine, das Deutschlandticket nutze ich ja sowieso ständig. Um zur Arbeit zu kommen, für spontane Ausflüge, kurze Trips, mal schnell in die nächste Stadt. Aber was, wenn ich es einmal wirklich ausreize? Nicht nur ein bisschen, sondern komplett.
Genau da fängt mein Kopfkino an.
Die Route
Ich stelle mir vor, wie ich früh morgens in Berchtesgaden starte. Die Berge im Hintergrund, klare Luft, vielleicht noch ein bisschen Morgennebel. Und dann steige ich in den ersten Bus und weiß: Ab jetzt geht es nur noch Richtung Norden. Immer weiter, immer ein Stück näher ans Meer.
Wenn ich mir dazu eine konkrete Fahrplanauskunft anschaue, wird das Ganze plötzlich greifbar. Die Strecke könnte zum Beispiel so aussehen: Start in Oberstdorf, von dort nach Ulm. Weiter geht es nach Augsburg, anschließend nach Würzburg. Von dort fahre ich weiter nach Göttingen und schließlich nach Hamburg. Und ganz zum Schluss geht es mit dem Regionalzug über den Hindenburgdamm nach Westerland auf Sylt.

Während ich mir diese Route anschaue, merke ich, wie sehr mich genau das reizt. Die Verbindung sieht nach Bahn-Abenteuer pur aus. Und statt der 180,30 Euro würde es mich lediglich 63 Euro kosten. Eben der Preis für mein Deutschlandticket, welches ich ja sowieso schon habe.
Die Verbindungsauskunft
Bus 7 nach Busbahnhof, Oberstdorf
Ab 11:00 Birgsau Alpe Eschbach, Oberstdorf
An 11:25 Busbahnhof, Oberstdorf, Bussteig E
RE75 (3690) nach Ulm Hbf
Ab 11:37 Oberstdorf, Gleis 1
An 12:32 Kempten(Allgäu)Hbf, Gleis 4
RE79 (57419) nach Augsburg Hbf
Ab 12:36 Kempten(Allgäu)Hbf, Gleis 1
An 13:52 Augsburg Hbf, Gleis 12 C-E
RE80 (57042) / RE89 (57042) nach Würzburg Hbf
Ab 14:28 Augsburg Hbf, Gleis 5
An 17:12 Würzburg Hbf, Gleis 2
RE7 (3762) nach Erfurt Hbf
Ab 18:01 Würzburg Hbf, Gleis 9
An 20:12 Neudietendorf, Gleis 1
RE1 (3666) nach Göttingen
Ab 20:18 Neudietendorf, Gleis 2
An 21:51 Göttingen, Gleis 7
RE2 (82848) nach Uelzen
Ab 23:11 Göttingen, Gleis 6
An 01:38 Uelzen, Gleis 103
RE3 (82106) nach Hamburg Hbf
Ab 05:00 Uelzen, Gleis 103
An 06:05 Hamburg Hbf, Gleis 13A-C
RB71 (81864) nach Wrist
Ab 06:17 Hamburg Hbf, Gleis 13D-F
An 06:51 Elmshorn, Gleis 1
RE6 (11004) nach Westerland(Sylt)
Ab 06:58 Elmshorn, Gleis 1
An 09:34 Westerland(Sylt), Gleis 2
Bus 1 nach Hafen, List (Sylt)
Ab 09:40 Westerland Bahnhof/ZOB, Sylt, Bussteig 1
An 10:15 Hafen, List (Sylt), Bussteig 1
Bus 1 nach Strandsauna, List (Sylt)
Ab 10:25 Hafen, List (Sylt), Bussteig 1
An 10:34 Weststrand, List (Sylt), Bussteig 1
Der Weg ist das Ziel
Diese Reise mit meinem Deutschlandticket ist keine klassische Strecke, bei der es nur ums Ankommen geht. Es ist eher wie ein langsames Durchqueren von Landschaften. Ich würde sehen, wie sich die Alpen langsam verabschieden, wie daraus Hügel werden, dann weite Felder, irgendwann flaches Land, bis am Ende plötzlich das Meer auftaucht.
Vom Bergpanorama zur Nordsee. Allein dieser Kontrast macht die Idee für mich schon besonders.
Natürlich denke ich auch an die Realität. So eine Strecke dauert mit dem Deutschlandticket gut und gerne 24 Stunden, je nachdem ob es ungeplante Zwischenfälle gibt wahrscheinlich sogar noch länger. 11 Umstiege, 4 Stunden Wartezeit nachts in Uelzen, vielleicht Verspätungen. Es ist keine Reise, die man einfach „mal eben“ macht. Und trotzdem reizt mich genau das.
Denn bei der Reise quer durch Deutschland wird der Weg selbst zur eigentlichen Story. Und ich bin neugierig, was ich alles unterwegs erleben würde. Herzliche Wiedersehen am Bahnsteig, fröhliche Kinder auf dem Weg zur Schule, eine gut gelaunte Rentnertruppe auf dem Weg zur gemeinsamen Wanderung, Pendler auf dem Weg in den wohl verdienten Feierabend - meine Fantasie kennt da keine Grenzen.
Was ich an der Idee besonders mag: Sie ist gleichzeitig total simpel und irgendwie verrückt. Ich brauche kein großes Budget, keine komplizierte Planung. Wenn ich einen Anschluss verpasse, dann ist das halt so. Dann gibt es eben einen Kaffee am Bahnhof, ein bisschen Leute beobachten, vielleicht ein Gespräch mit anderen Reisenden, die genauso unterwegs sind wie ich. Das Deutschlandticket macht es eben möglich, ich wäre vom tiefsten Süden bis zum höchsten Norden absolut flexibel bei der Wahl meiner Verbindungen und Verkehrsmittel.
Ganz ehrlich: Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr habe ich das Gefühl, dass ich dieses Abenteuer eigentlich unbedingt ausprobieren sollte.