Wer regelmäßig zwischen Berlin und dem Brandenburger Umland pendelt, hat sich bestimmt an der Bustür auch schon einmal unwohl bei der Frage gefühlt: Steige ich jetzt vorne beim Fahrer ein und zeige mein Ticket, oder reicht es, sich einfach irgendwo hinten rein zu quetschen? Ich habe es auf meiner Fahrt von Nauen nach Berlin erlebt. Am Ende fragte ich mich, ob es überhaupt eine einheitliche Regel gibt. Die kurze Antwort: Es gibt eine offizielle Regel, aber die Praxis sieht je nach Ort völlig anders aus.
In Berlin gilt bei der BVG seit April 2004 offiziell: Einstieg nur vorne beim Fahrer, zum Kauf oder zum Vorzeigen des Fahrausweises. Ausgenommen sind lediglich Fahrgäste mit Kinderwagen oder Rollstuhl, die auch hinten einsteigen dürfen. Diese Regel wurde 2004 nach einem erfolgreichen Testbetrieb in Spandau auf das gesamte Berliner Stadtgebiet ausgeweitet, nachdem sich dadurch die Zahl der Schwarzfahrer deutlich verringert und die Einnahmen erhöht hatten. Eine wirkliche Ausnahme gab es aber von 2020 bis 2021, als der Senat beschloss, den Einstieg beim Fahrer wegen Corona-Ansteckungsgefahr zu schließen. Seit Ende der Krise läuft aber alles wieder wie vorher.
Diese Regel gilt grundsätzlich auch bei den meisten Regionalbus-Unternehmen im Brandenburger Umland und im Rest Deutschlands. Und genau dort wird sie oft sehr konsequent durchgesetzt, indem die Fahrerinnen und Fahrer mittels Blickkontrolle aufs Handydisplay prüfen, ob wirklich ein gültiges Ticket vorliegt.
Weiter Richtung Berliner Innenstadt, ändert sich das gelebte Verhalten spürbar. Fahrgäste steigen an allen Türen ein, der Fahrer schaut eher nach hinten, ob noch geschlossen werden kann, statt nach vorne, ob Tickets gezeigt werden. Großstädter in ganz Deutschland sind tagsüber gewohnt, überall einzusteigen. Wenn es Abweichungen von dieser gelebten Realität gibt, stehen diese oft an den Türen. So kann es sein, dass ab 20 Uhr die Fahrtgäste vorne einsteigen müssen.
Die Vorne-Regel wird in der Praxis oft nicht mehr durchgesetzt. Auch der Berliner Senat hält das strikte Vorne-Einsteigen inzwischen für überflüssig, weil es zu Staus vor der Tür führt, sich die Fahrgäste im Bus schlechter verteilen und sich die Fahrt dadurch verzögert. Der unkontrollierte Einstieg an allen Türen sei "mittlerweile zur täglichen Praxis" geworden, insbesondere auf Linien mit viel Gepäck, wo der Einstieg nur vorne "deutlich länger" dauert. Busfahrer haben hierbei einen Ermessensspielraum, ob sie die hinteren Türen zum Einstieg freigeben. In einer Kleinstadt wie Nauen steigen an einer Haltestelle oft nur wenige Personen zu, sodass eine Kontrolle an der vorderen Tür kaum Zeit kostet. In der dicht getakteten Berliner Innenstadt dagegen wollen an belebten Haltestellen gleichzeitig 20 oder 30 Menschen ein- und aussteigen. Würden dort wirklich alle vorne einsteigen und ihr Ticket zeigen, stünde der Bus an mancher Haltestelle spürbar länger. Diesen Zeitverlust verkraftet die enge Taktung im Stadtverkehr kaum.
Damit man nicht wie im eingangs beschriebenen Beispiel für Verwirrung sorgt oder selbst irritiert wird, hier ein paar Faustregeln: